Glamour, Gefühl und die nötige Prise Kitsch

BAD URACH. Einen Weihnachtszauber der besonderen Art erlebte das Publikum am Sonntagabend in der Festhalle Bad Urach, die bereits nach zwei Wochen restlos ausverkauft war. Erstmals war in Bad Urach die »Christmas Celebration« von Musicalstar Kevin Tarte und seiner Band zu hören, die sonst nur im Stuttgarter Renitenztheater zu erleben ist.
Als gefeierte Komponente zu einer professionellen Bühnenschau kam hinzu, dass der 68-Jährige seit fünf Jahren selbst in Bad Urach lebt. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der Bürgerstiftung Bad Urach statt, der der Sänger am Ende einen Teil des Erlöses in Höhe von 5.000 Euro überreichte. Gaststar war Mercedesz Csampai, aktuell die Elsa im Disney-Erfolgsmusical »Die Eiskönigin« in Stuttgart-Möhringen.
Lichterketten und Christbäume Farbig blinkende Lichterketten und Christbäume schmückten die Bühne, als das Programm mit dem Trompetensolo »We Wish You a Merry Christmas« begann, dem sich die Band anschloss. Kevin Tarte erschien und sorgte mit Charme, Präsenz, Ausdruckskraft und brillanter Stimme mit dem traditionellen »It’s Beginning to Look a Lot Like Christmas« für den ersten Beifall, Pfiffe und Bravorufe. Kein Zweifel, der Künstler, der im Ort sein »erstes Heimspiel« gab, wurde als Einheimischer gesehen, der Glanz und Glamour in die Stadt brachte.
Immer wieder ergänzte Tarte seinen Gesang in herzlich-sympathischer Art mit Anekdoten aus seinem Leben. Durch die Heirat mit Stefan Wolf habe für ihn vor fünf Jahren in Bad Urach, wo ihn sowohl die Landschaft als auch die Menschen begeisterten, ein neues Leben begonnen.

Von B. B. King bis Santa Claus

Der Künstler, Opern- und Operettensänger sowie Musicaldarsteller, geboren in Seattle, ist vielen durch seine Hauptrollen in Musicals wie »Die Schöne und das Biest«, »Les Misérables« oder »Tanz der Vampire« bekannt und zeigte im Konzert viele Facetten.
In einem insgesamt warm-kuscheligen Festabend, bei dem, so Tarte, »auch ein wenig Kitsch sein dürfe«, gab es bekannte Stücke wie »Santa Claus Is Coming to Town« ebenso zu hören wie das jazzige »Make Someone Happy« oder ein Blues von B. B. King.
Rock 'n' Roll ließ Fußspitzen wippen und Hände den Takt schlagen. Bei der Jazzversion von »Rudolph, the Red-Nosed Reindeer« sangen die Gäste alle bekannten Zeilen mit. Musikalisch fragte Tarte sein Publikum sehr gefühlvoll, ob es sich nicht auch nach einem »Old Fashioned Christmas«, einem unkomplizierten Weihnachten wie in Kindertagen, sehne.
»All I Want for Christmas Is You« sei, so der Sänger, nicht unbedingt sein Lieblingslied, aber dürfe in einem Weihnachtskonzert nicht fehlen. Nicht zuletzt wegen des furiosen Trompetensolos kam es bestens an. Das Publikum hatte auch die hervorragende Band ins Herz geschlossen, deren Mitglieder mit fabelhaften solistischen Einlagen begeisterten. So erklangen eine fetzige Interpretation von »Jingle Bells« an der Hammond-Orgel oder das rein instrumentale »A Child Is Born« an Flügel und E-Orgel.

Duett mit Mercedesz Csampai

Zwei große Stimmen kamen zusammen, als Musicalstar Mercedesz Csampai die Bühne betrat. Souverän von der Band oder vierhändig auf dem Keyboard begleitet, sangen die Stuttgarter »Eiskönigin« und Tarte »White Christmas«. Auch der Blues »Baby It's Cold Outside« kam als Duett bestens an, ebenso »Love Is Christmas«, das die charismatische Künstlerin mit strahlendem Lächeln präsentierte.
Für die grandiosen Leistungen gab es stehende Ovationen und natürlich zwei Zugaben. Sie handelten mit »Belleau Wood«, einem Song von Garth Brooks, von einer berührenden Nacht, als feindliche Soldaten zusammen Weihnachten feierten, sowie mit »Auld Lang Syne« von wertvollen Erinnerungen an alte Freunde und gute Zeiten. Das perfekte Showprogramm hatte durchaus Tiefgang. Sicher stimmten die meisten dem Vorstand der Bürgerstiftung Armin Schidel zu, der sich eine Wiederholung des Konzerts im nächsten Jahr wünschte.

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